Betriebliche Gesundheitsförderung Trends und Forschungsupdate
Zusammenfassung:

Die steigende Relevanz der betrieblichen Gesundheitsförderung innerhalb des Systems der Gesundheitsversorgung stützt sich auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Trotzdem findet sich noch eine erschreckend geringe konkrete Nutzung. Obwohl nahezu alle gesetzlichen Krankenkassen dieses Thema mit Vorrang auf der Agenda haben, wurden im Jahr 2012 nur 0,3% der Betriebe und nur 2,1% der Mitarbeiter durch diese Programme erreicht. Ein Blick auf den internationalen Forschungsstand soll aufzeigen, welche zukünftigen Forschungstrends dies ändern können.

Nachzulesen in: Huber, G. & Weiß, K. (2015). Betriebliche Gesundheitsförderung Trends und Forschungsupdate 2014. B & G Bewegungstherapie und Gesundheitssport 2(30).



Nutzenpotenziale betrieblicher Gesundheitsförderung
Zusammenfassung:

Die Bedeutung betrieblicher Gesundheitsförderung hat in den letzten Jahren zugenommen. Das ist in erster Linie dem demographischen Wandel geschuldet: die immer älter werdende Bevölkerung und der negativen Geburtenentwicklung. Der präventive Nutzen von Interventionen der betrieblichen Gesundheitsförderung im deutschsprachigen Raum ist bisher unzureichend aufgearbeitet. Hierfür wurde ein Review angefertigt. Speziell zur Prävention im unternehmerischen Umfeld, konnten 15 Studien, aus Australien, Großbritannien, Korea, USA, Dänemark und lediglich einer aus Deutschland identifiziert werden. Die bewegungsbezogenen Studien die Erfolge im Return on Investment, Reduzierung der Sitzzeit, E-Learning und körperlichen Benefit erzielen konnten, stellen einen zusammenfassenden Überblick dar. Jetzt gilt es, einen Goldstandard zu entwickeln, der Beschäftigte erreicht, die Probleme in der Umsetzung von Bewegung aufweisen.

Nachzulesen in: Ziesche,S. Nutzenpotenziale von betrieblicher Gesundheitsförderung. B&G, 2015; 31: 15-20.



Evaluation eines gerätegestützten Arbeitsplatz-aufsuchenden Rückentrainings als Maßnahme im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements
Zusammenfassung:

In Deutschland erwarten wir in den kommenden Jahren Veränderungen, die gravierende Auswirkungen auf die gesellschaftliche Situation und auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes haben werden. Die demografischen Veränderungen werden zu einer deutlichen Reduzierung der Bevölkerung auf 65 bis 70 Millionen Einwohner führen. Die Geburtenrate wird sich weiter reduzieren (weniger potentielle Mütter) und die Sterberate wird weiter steigen (mehr Bürger der geburtenstarken Jahre erreichen das hohe Alter). Insgesamt führt das zu einer immer älter werdende Belegschaft in den Unternehmen. Bereits in den nächsten Jahren wird der Anteil der Arbeitnehmer, die älter als 50 Jahre sind, deutlich steigen. Einhergehend mit den steigenden Erkrankungsrisiken werden dadurch die Arbeitsunfähigkeitstage in den Unternehmen deutlich steigen. Dabei werden die Erkrankungen des Bewegungsapparates weiter an zweiter oder dritter Stelle der häufigsten Erkrankungen stehen. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage im Bereich der Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSKE) wird weiter über 25 bis 30 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage und damit an erster oder zweiter Stelle der Rangliste liegen. Rückenerkrankungen stellen einen großen Anteil der Erkrankungen im Bewegungsapparat (ca. 54 %) und verursachen mehr als 8,4 Mrd. Euro an Kosten. Dabei sind die Ursachen der unspezifischen Rückenbeschwerden nicht erforscht. Allerdings führen erstmalige Rückenschmerzepisoden sehr häufig zu einer Chronifizierung der Problematik. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass mehrdimensionale Interventionsprogramme, welche die Wissenskompetenz sowie die Handlungskompetenz
der Teilnehmer stärken, verbunden mit emotionalen Faktoren, erfolgversprechend sind. Insgesamt ist ein aktiver Lebensstil mit hohen Bewegungsanteilen die beste Chance, um Rückenschmerzepisoden zu vermeiden oder zu überwinden. Präventive Maßnahmen der gesellschaftlichen Player (Unternehmen, Kostenträger) haben bislang keinen Erfolg erzielt. Ursache dafür sind zum großen Teil Fehlallokationen in den präventiven Maßnahmen. Denn Menschen mit eine hohen Risikodisposition nehmen an den Maßnahmen in der Regel gar nicht teil. Selbst die veränderte Strategie der Krankenkassen, (gesetzlichen Auftrag im SGB V § 20) verstärkt Angebote im Setting der Unternehmen, etwa Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung bzw. zum betrieblichen Gesundheitsmanagement zu etablieren, weist bis dato keine nennenswerten Ergebnisse auf. Die klassische Übertragung individual-präventiver Konzepte auf das Setting Unternehmen führt gleichermaßen zu den bereits bekannten Fehlallokationen. Mit den bekannten Maßnahmen, wie allgemeinen Kursangeboten der GKV-Spitzenverbände werden proportional nur geringe Anteile der Belegschaften (weniger als 3 % der Beschäftigten) in den Unternehmen erreicht. Neue Erkenntnisse empfehlen stärker aufsuchende Maßnahmen und Aktionen direkt im unmittelbaren Umfeld der Arbeitsprozesse. Dies setzt ein gemeinsames Agieren der
Unternehmensleitung, der Mitarbeitervertretungen und der Kostenträger voraus. Mit dem Projekt Rückenmobil wurde ein System weiterentwickelt, das diesen Erkenntnissen folgt. Das Training folgt dem Prinzip der Stärkung von Wissens- und Handlungskompetenz, ist aufsuchend organisiert, baut auf geringe bzw. geringste Nutzerbarrieren, realisiert eine hohe Allokation (bis zu 65 % der Mitarbeiter) der angesprochen Mitarbeiter und basiert nicht zuletzt auf evidenzbasierten Erkenntnissen. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass damit die Ziele – positive Kraftentwicklung der rumpfstabilisierenden Muskelgruppen, Reduzierung der Beschwerden und Schmerz-Phänomene und letztendlich die Reduzierung der Arbeitsunfähigkeitstage – erreicht werden können.

  • Allokation zwischen 55 und 65 Prozent
  • Rückenschmerzprävalenz 65 Prozent
  • sehr geringe Dropout-Raten innerhalb der Programme
  • hohe Kraftzuwächse im Bereich der Extension und Flexion der Rumpfstabilisierenden

Muskelgruppen

  • Optimierung des Kraftverhältnisses Rücken-Bauch entsprechend der Referenzempfehlungen Reduzierung der Beschwerden unspezifischer Rückenschmerzen
  • Reduzierung der Arbeitsunfähigkeitstage auf Grund von Rückenerkrankungen um durchschnittlich 50 Prozent.

Unter Berücksichtigung der vorhandenen Rahmenbedingungen eignen sich die Arbeitsplatz-begleitenden gerätegestützten Rückenprogramme, um definierte Ziele zur Verbesserung der Rückenschmerzsituation innerhalb der Belegschaft eines Unternehmens zu realisieren.

Nachzulesen in: DISS_2014_neu_Endversion.pdf



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